Archos 70 und Archos 101 - Tablet PC Test

Archos ist eine französische Hardware Firma, die als erste Tablet PCs für um die 200 Euro in den Handel brachte. Mit dem Archos 70 und dem Archos 101 scheint die Firma aus Frankreich jetzt Tablets auf den Markt gebracht zu haben, die eine ernstzunehmende Konkurrenz zum iPad darstellen.

Das 7-Inch und das 10-Inch Tablet laufen beide unter Android 2.2 mit 1GHz ARM Cortex A8 Prozessoren, haben leistungsfähige Displays und VGA Kameras eingebaut. Bei den Preisen von 250 Euro (Archos 70), bzw. 300 Euro (Archos 101), hat es Archos nun wahrscheinlich geschafft, die nach Preis-Leistungs-Verhältnis besten Tablets auf den Markt zu bringen.

 

Hardware Design, Qualität und Erscheinungsbild (Look & Feel)

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(Foto: engadget.com)

Es ist schwer zu sagen, was einem bei den Archos Tablets Archos 70 und Archos 101 zuerst ins Auge sticht. Die leichte Handhabung der Hardware, oder das sehr schlanke Design. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn alle Tablets auf dem Markt so dünn und leicht wären, wie die Archos Tabs. Das Archos 70 ist nur 1,1cm dick und wiegt 300 Gramm. Das Archos 101 hat eine Höhe von 2,1cm und ein Gewicht von 390 Gramm. Offensichtlich ist die 10-Inch Version größer und schwerer, als die 7-Inch Version, aber das Archos 101 ist damit immer noch leichter und dünner als das iPad 1.

Beide Tablets haben einen ausklappbaren Plastikständer, wobei der Kickstand am Archos 101 sehr weit herunter justiert werden kann, was das Tablet in eine angenehme schreib-Position bringt.

 

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(Foto: engadget.com)
Die Verarbeitung der Ständer, wie auch die der gesamten Gehäuse der Archos Tablets, ist schwach und von dem Standard eines HTC, weit entfernt! Aber sie sind ein nettes Extra, das einem den Kauf eines zusätzlichen Accessoires erspart.


Wie also bereits angedeutet, ist das Erscheinungsbild der Archos Tablets ziemlich billig. Beide Tablets sind größtenteils aus schwarzem Plastik hergestellt. Die Materialien der einzelnen Komponenten sind nicht aufeinander abgestimmt. Verschiedene Plastikarten in unterschiedlichen Schattierungen, erinnern eher an ein Kleinkind, das sich heute mal selber anziehen wollte – stillos und unordentlich. Zum Beispiel sind die Verkleidungen der Kanten nicht abschließend und das Material, das für diese benutzt wird, unterscheidet sich in seiner Art, von dem, welches bei der Rückseiten-Abdeckung zum Einsatz kommt. Keines der beiden Geräte kann, vom Design her gesehen, als attraktiv bezeichnet werden. Auch sind nach einiger Zeit, Fingerabdrücke über dem ganzen Tablet zu sehen. Die Gehäuse vermitteln beide nicht den Anschein auf Langlebigkeit. Sie fühlen sich, in der Hand gehalten, nicht robust an und selbst wenn sie sorgsam in einer Tasche verstaut sind, muss man immer noch fürchten, dem Gerät irgendwelche Kratzer oder Macken zuzuführen.


Obwohl sie höchstwahrscheinlich keinen Design- oder Beständigkeitstest gewinnen werden, sind doch beide satt ausgestattet mit Anschlüssen: mini-HDMI, mini-USB, 3.5mm Kopfhörerbuchsen, sowie einen microSD-Kartenanschluss sind Standard. Beim 10-Inch Archos 101 ist zudem ein USB Port, in voller Größe vorhanden.

 

Bildschirme - LCD-Displays

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(Foto: engadget.com)

Doch die billige Verarbeitung beschränkt sich nicht nur auf das Gehäuse. Die Plastik Displays des Archos 70 und Archos 101 leiden unter den selben Mangelerscheinungen. Beide Screens sind sehr dünn und geben selbst bei leichtem Druck sehr leicht nach; hier merkt man deutlich den Unterschied zu Displays z.B. mit Gorilla Glas. Was dann allerdings wirklich schlecht aussieht, ist das 1024x600 Display des Archos 101, in ausgeschaltetem Zustand. Dann schimmert das Display nämlich metallisch grün. Beim Betrieb verschwindet diese Farbschattierung zwar, aber es ist schwer in Worte zu fassen, wie geschmacklos das Tablet durch diesen Umstand wirkt.

Dies erwähnt, kann man sagen, dass die Reaktion der Displays auf sämtliche Gesten (Wischen, Ziehen, etc.) sehr gut ist. Die Fingerbewegungen fühlen sich auf der glatten Oberfläche sehr angenehm an. Im Vergleich zum widerspenstigem Screen des Archos 7, der teilweise erst auf Fingernägel anspricht, bieten die neuen Archos Tablets enorme Verbesserungen.


Die Displays sind beide ausreichend hell. Ein 720p Clip von “Black Swan” wurde scharf und fließend wiedergegeben. Das ist allerdings nur der Fall, wenn man direkt auf den Monitor blickt. Bei vertikalen Ansichtswinkeln ist die Darstellung schnell im Schwarzen verschwunden. Schon ab einem Winkel von knapp unter 30 Grad kommen jede Menge komische Farbtöne auf. Und wenn die Archos Tablets mit dem Ständer aufrecht auf dem Boden stehen und man probiert, von Oben auf das Display zu schauen, wird einem klar, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist.


Kamera und Lautsprecher

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(Foto: engadget.com)

Vielleicht ist es ja ein Software Problem, aber die VGA Kameras an beiden Tablets, sind unglaublich lahm. Und wenn es dann endlich gelingen sollte, irgendwelche Bilder zu schießen, sind die Resultate verschwommen und grieselig.  Auch sind die Videoaufnahmen sehr ruckelig und die Tonspur lag oft nicht synchron auf dem Bildmaterial. Es ist schon möglich, einigermaßen  anständige Aufnahmen zu machen, aber es benötigt viel Geduld, um mit diesen Kameras halbwegs anständige Ergebnisse zu erzielen.

Erstaunlicherweise sind die Lautsprecher an der Rückseite des Archos 101 und an den Seiten des Archos  70 ziemlich laut. Am 101er scheinen sie etwas brillanter zu sein, aber sie reichen bei beiden Tablets, ohne weiteres dazu aus, Filme anzuschauen. Im Lieferumfang sind sogar 3.5mm Kopfhörer enthalten, aber man sollte das Geld, das man beim Kauf eines dieser Tablets gespart hat, lieber in ein paar gute Kopfhörer investieren. Ehrlich!

Die Accelerometer sind gut - schnell genug um ein Spiel wir Raging Thunder Light, ohne irgendwelche Probleme durchzuzocken.


Android OS - software PerformancE

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(Foto: engadget.com)

Im Gegensatz zu Samsung (mit dem Galaxy Tab), hat Archos recht wenig unternommen, um aus Android irgendwelchen Mehrwert zu schöpfen. Im Prinzip handelt es sich bei der Software, mehr oder weniger, um die Smartphone Version von Android. Ob einem das jetzt etwas ausmacht, oder nicht, hängt ganz davon ab, was man von einem Tablet PC erwartet. Richtige Probleme gibt es eigentlich nur mit den vorinstallierten Google Apps und mit der Market App. Klar, dieses Problem existiert bei vielen Android Tablets – zumindest bei denen ohne 3G Konnektivität. Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat Archos derzeit über 10.000 Apps in Ihrem AppsLib Store, der ebenfalls vorinstalliert ist. Die Auswahl dort weißt noch einige Lücken auf, wird aber ständig verbessert. Die Apps dort, können die Performance der Archos Tabs natürlich erheblich verbessern.

Es gibt keine physischen Navigations-Knöpfe an den Archos Tablets. Daher hat Archos eine statische Navigationsleiste in die UIs der Tablets integriert. Im Allgemeinen funktionieren die Buttons (Search,  Home,  Back und Settings) super, es gab aber ein paar Situationen, an denen sich das Panel träge verhielt, oder auch eine App überdeckte. Zum Thema Apps: Archos hat ein paar Apps vorinstalliert, z.B. Touiter für Twitter, eBuddy zum Chatten, sowie auch Aldiko zum Lesen.

 

Leistung der Archos Tablets und Lebensdauer der Batterie

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(Foto: engadget.com)

Verglichen mit dem 600MHz CPU des Archos 7 Home Tablet, ist der 1GHz ARM Cortex A8, der das Archos 70, sowie auch das 101 antreibt, ein echter Fortschritt. Mit Unterstützung des 3D OpenGLES 2.0 Accelerator hatten beide Tablets keinerlei Probleme, 720p Filme, reibungslos abzuspielen, oder ein Spiel, wie z.B. Racing Lite auszuführen. Es kommt jedoch vor, dass das Archos Tab nervige Hänger bekommt. Das kann sogar ziemlich schlimm werden, wenn man zwischen verschiedenen Apps und dem Browser Hin und Her springt.

Wie schon zuvor erwähnt, reagierten die On-Screen Navigationselemente manchmal nicht. Beim Surfen luden die Seiten schnell und das Scrolling verlief flüssig. Keine Verzögerungen wie zum Beispiel beim Galaxy Tab. Die Ergebnisse in Linpack können sich sehen lassen. Sie waren 10 MFlops für das Archos 101 und 9.5 MFlops für das Archos 70. Die Werte liegen aber deutlich hinter dem Galaxy, welches bei ca. 14 MFlops liegt. Der Prozessor ist auf 800MHz heruntergetaktet. Wenn man ihn also aufschaltet, kann man nochmal einiges an Geschwindigkeit herausholen. Dies kann einfach in den Systemsteuerungen eingestellt werden. Man sollte aber dabei beachten, dass die Batterielaufzeit dadurch verkürzt wird.

Beide Archos Tablets beeindrucken mit einer überdurchschnittlich langen Batterielaufzeit. Beim Dauertest mit einem auf Endlosschleife laufendem Video, bei einer Helligkeit des Displays von 65%, kommt das Archos 101 auf eine Laufzeit von 7 Stunden und 20 Minuten. Das Archos 70 erzielt bei diesem Härtetest immerhin noch eine Batterielaufzeit von genau 6 Stunden. Das ist jetzt nicht so lange, wie die des iPad (mit 9 ½ Stunden), aber es reicht immerhin für eine Zugfahrt von Hamburg nach Berlin. Probleme gibt es beim Standby-Modus. Anscheinend benötigen die Archos Tablets dort unnötig viel Strom. Unser Tipp also: Besser das Gerät ausschalten, anstatt es in den Standby Modus zu versetzen. Was auch noch erwähnt werden sollte, ist die Tatsache, dass die Archos Tablets ziemlich warm werden können. Es wird nicht wirklich unangenehm, aber es ist schon spürbar.

 

Zusammenfassung

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(Foto: engadget.com)

Wenn die Archos 70 und 101 Tablets die Preise der anderen Tablets auf dem Markt von 500 Euro und aufwärts teilen würden, wären viele Mängel unverzeihbar. Aber für 300 Euro, bzw. 250 Euro, haben beide Tabs im low-end Bereich durchaus ihre Berechtigung! Die Schwächen der Displays und der Verarbeitung mögen für viele Nutzer in Anbetracht des sehr günstigen Preises zu verschmerzen sein. Dies im Hinterkopf, muss man sagen, dass, alles in allem, beide Tablets von Archos einen guten Gesamteindruck hinterlassen haben. Natürlich kommt die Experience nicht an die eines Galaxy Tab oder an die eines iPads heran. Aber im unteren Preissegment ist Archos nicht zu schlagen! 

 

Nachtrag: Seid kurzem ist das neue Android OS erhältlich. Es ist davon auszugehen, dass auch das Archos 101 Tablet ein Uppdate erhalten wird und die gesamte Software Performance dadurch verbessert wird. Hier die Neuerungen von Android Ice Cream Sandwich: Android 4.0 Features.

 

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