Wie man eine Dating-App wie Tinder entwickelt - nur besser

30.08.2019
Online-Dating ist seit Jahren ein boomender Markt - eine App hat dabei allerdings alle Konkurrenten in den Schatten gestellt: Tinder. Die App hat im letzten Jahr über 460 Mio. USD an Umsätzen erzielt (Platz 3 nach Netflix und Tencent Video) und im letzten Monat mit fast 21 Mio. USD Monatsumsatz die Spitze erreicht. Grund genug für eine gründliche Recherche zu den Erfolgsfaktoren von Tinder und eine Analyse, wie man eine richtig gute Dating-App entwickelt.

Während die meisten Dating-Plattformen große Mühe auf das Geheimrezept des ausgeklügeltsten Matchings verwenden, kommt Tinder oberflächlich dankbar einfach daher. Statt eines komplizierten, datenlastigen Matchings, werden dem Tinderer Bilder von Usern gezeigt, die seinen Kriterien entsprechen. Links swipen für den Mülleimer, Rechts swipen für ein Like. Das ist so schön und einfach wie Steaks auf dem Grill zu wenden und vielleicht auch genau deswegen so erfolgreich.


Da es bei der Zubereitung einer Dating-App aber noch einiges mehr zu bedenken gibt, als das Matching und die Bilderpräsentation, gehen wir wie in einem guten Kochrezept nicht nur die Zutatenliste durch, sondern erklären auch im Detail, was warum und wie funktioniert. So kann der geneigte Entwickler am Ende selbst eine drei Sterne (fürs Kochen) bzw. fünf Sterne (App-Store) Dating-App brutzeln. Und weil es langweilig ist, ein Erfolgsrezept einfach nachzukochen, geben wir noch einige Anregungen, wie man das Beliebte noch besser machen könnte.



Das Appetithäppchen: Die Reise von Tinder zur erfolgreichsten Dating-App

Werfen wir also zunächst einen Blick auf die Erfolgsgeschichte unserer beliebtesten Dating App, um unseren Appetit auf die eigene Entwicklung noch etwas anzuheizen:
  • 2012: Tinder startet als erste vollwertige iOS Dating-App
  • 2013: Tinder erscheint für Android
  • 2014: 2 Mrd. Matches
  • 2015: Marktwert erreicht 1 Mrd. USD
  • 2016: 10 Mrd. Matches
  • 2017: 20 Mrd. Matches, 50 Mio. aktive Nutzer
  • 2018: Platz 5 in den Top 10 der umsatzstärksen Apps (iOS und Android zusammen)
  • 2019: Platz 1 der erfolgreichsten Apps (vor Lovoo) in Deutschland

Aktuell stehen bei Android mit Tinder und Lovoo zwei Dating Apps auf den ersten beiden Rängen der umsatzstärksten Apps (Juli 2019). Und wir sprechen hier nicht von den erfolgreichsten Apps im Bereich Dating, sondern von den umsatzstärksten Apps überhaupt (außer Gaming). Im Falle von Tinder bedeutet das einen Monatsumsatz von fast 21 Mio. USD. Wenn das keinen Appetit macht auf die Geheimnisse der Entwicklung von Dating-Apps!

Bevor wir beginnen die Zutaten zu schnippeln, wollen wir uns noch kurz versichern: warum ist gerade jetzt der Hunger nach Dating-Apps so groß oder springen wir bereits hinter den fahrenden Speisewagen?
  • Usergewohnheiten haben sich spürbar geändert: Hatte Online-Dating bis vor gar nicht allzu langer Zeit immer so einen etwas verzweifelten Unterton, ist es heute selbstverständlich, die technischen Möglichkeiten von Apps und Internet auszunutzen. Auch und gerade für die Partnersuche.
  • Börsenanalysten wie Goldmann Sachs schätzten beim Börsengang der Match Group (denen Tinder gehört) den Markt und die Börsenchancen der Aktie als begrenzt ein. Tatsächlich hat sich die Aktie seitdem konstant von 12 USD auf über 75 USD hochgearbeitet und damit wohl deutlich gemacht, dass der Markt enorm ist und ein hohes Wachstum über viele Jahre bieten kann.
  • Tinder floriert und trotzdem ist noch viel Platz für eine ganze Reihe von anderen Dating-Apps, die ebenfalls beachtliche Erfolge und Downloadzahlen jenseits der 10 Mio vorweisen können.
  • Was gibt es schöneres und wichtigeres als die Liebe und alles was dazu gehört, angefangen beim Dating? Früher sagte man "gegessen und gestorben wird immer" und wähnte damit Wirte und Bestatter als sicherste Berufe. Partnerschaften sind das wichtigsten im Leben und daher gehören Dating-Apps in dieser Aufzählung spätestens an die dritte Stelle.


Der Hauptgang: Die Zutaten für eine erfolgreiche Dating-App

Die Pfanne steht bereit, die Zutaten folgen. Werfen wir einen Blick auf die Finessen, die aus einer faden Dating-App erst eine scharfe Sache machen.

Das Hook Model, oder: Kundenbindung in der App

Bevor wir mit den handfesten Zutaten beginnen, machen wir uns noch mit den psychologischen Tricks und Kniffen der modernen Dating-App Küche vertraut. Dieser Abschnitt alleine sollte ein eigener Artikel sein, weil die Bedeutung für den Erfolg der App nicht überschätzt werden kann.
Wir wollen unseren User nicht nur satt machen, wir wollen ihm das Gefühl geben, immer wieder an der App naschen zu wollen. Das ist insbesondere für eine Dating-App die wichtigste Funktion, denn sie lebt von der Menge der User, die die App verwenden. Nichts ist frustrierender für den User, als in seiner Umgebung keiner Ergebnisse zu finden. Also müssen wir dafür sorgen, dass diejenigen, die einmal die App in der Hand hatten, diese auch möglichst lange und häufig verwenden, um eine gute User Experience gewährleisten zu können. Dafür ist es notwendig, dass wir eine Gewohnheit beim User schaffen.

Man kann dieses Bemühen mit dem Hook-Ansatz beschreiben:

Trigger

Der Trigger ist nichts weiter als der Impuls, die App zu öffnen. Es gibt externe Trigger wie eine Werbeeinblendung oder die Empfehlung eines Bekannten, die App auszuprobieren und es gibt interne Trigger; also solche die aus dem User selbst kommen. Fruchtbarer Boden sind hier Langeweile und Einsamkeit - das Gehirn sucht nach einer seichten Ablenkung und dann möchten wir aufgrund unseres Wirkmechanismus in der App zur Stelle sein und den User - gewohnheitsmäßig - zu unserer Dating-App greifen lassen.

Für uns sind aber auch die externen Trigger wichtig und man sollte eine Handvoll Kreativität darauf verwenden, zu welchen Gelegenheit wir den User an die App erinnern können. Immer dann wenn er ein Like bekommt? Ganz sicher! Immer wenn er ein "Nope" bekommt? Sicher nicht! Aber wenn er ein paar Tage nicht mehr eingelogged war schon. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, um eine möglichst hohe Penetration zu erreichen, ohne den User zu nerven. Ich halte es dabei für wichtig, den User selbst entscheiden zu lassen, welche und wie häufig er eine Nachrichte erhalten möchte. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass er unsere (Push)Nachrichten blockiert und wir ihn nicht mehr einfach triggern können.

Action

Der externe Trigger sollte im Optimalfall und sofern möglich direkt zu einer Aktion führen, die der User ausführen kann. So könnte er etwa einen Rückkehrer-Bonus beanspruchen oder ein zufälliges Profil freischalten, wenn er direkt auf unseren zielgerichteten Trigger reagiert. Man kann sich die "Action" wie im klassischen Tierversuch vorstellen: die Maus drückt einen Taster und erhält dafür die Belohnung; zum Reward kommen wir als nächstes. Bedeutsam ist aber zu erkennen, dass es aber eben zunächst der Aktion des Users Bedarf, um den Lernprozess in Gang zu stetzen: dem Trigger folgen --> etwas tun --> Belohnung erhalten.

Um es noch etwas plastischer zu machen: die Aktion kann und soll etwas ganz simples sein. Das Anklicken einer Geschenkbox, das Swipen zum Bestätigen oder vielleicht das Schütteln des Smartphones um eine Münze zu erhalten?

Reward

Für die harte Arbeit der Aktion bekommt der User dann eine Belohnung. Wir kennen das auch als klassische Konditionierung. Leider klingt das ganze genau wie der beschriebene Tierversuch, aber Dating-Apps bedienen Grundbedürfnisse des Menschen und auf dieser Ebene müssen wir ihm uns eben auch annehmen.

Haben wir einen spezialisierten (externen) Trigger verwendet, sollte der Reward an diesen angepasst sein. In einer Dating-App ist es aber auch schon ein Reward, wenn der User neue potentielle Dates vorgeschlagen bekommt oder erfährt, dass er von anderen Usern geliked wurde.

Wichtig ist hier, dass der User der in die App kommt auch mit Sicherheit einen Reward erfährt. Lassen Sie es nicht zu, den Appetit nach Belohnung ungestillt und den User mit leerem Magen abziehen zu lassen. Er wird sich schnell einen anderen Happen in den Mund schieben und mit jeder Stunde die vergeht wird es unwahrscheinlicher, dass er zurück kehrt.

Investment

Und nun das Sahnehäubchen der geführten User-Experience: wir nutzen den Schwung und die gute Stimmung nach dem Reward und sehen zu, dass der User etwas von sich dazu gibt. Das ist der Bratensaft, von dem unsere App am Ende lebt. Eigentlich ist das sogar der Braten. Der User soll nun mit der App interagieren und dabei Futter für andere User hinterlassen, also etwa selber Likes platzieren, Chatten, Bilder hochladen - was er hinterlässt ist am Ende fast egal; Hauptsache er investiert etwas von sich.

Dadurch erhalten wir zweierlei: das Futter für die anderen, aber auch, dass der User Teil des Ganzen wird, selbst Mühe, Meinung und Informationen beigesteuert hat und wissen möchte, wie seine Zutaten in der Gemeinschaft aufgenommen werden. Das ist am Ende für den User der stärkste Trigger: wieder zurückzukehren und zu sehen, was aus seinem Investment geworden ist.

Einfachheit

Das war eine Menge zu verdauen - jetzt kommen die einfacheren Häppchen auf dem Weg zur Super-Dating-App!

Die Einfachheit steht bei der Entwicklung einer App fürs Dating ganz oben. Was wir im Hook-Modell gelernt haben läuft nur so schön rund wie in der Grafik, wenn das Ganze dem flutschigen Dressing einer erstklassigen Usability schwimmt. Jede Gräte wie hakelige Menus, Ladezeiten oder umständliches Rumgetippe bis man am Ziel ist, stören die Harmonie unseres Gerichts.

Zentrales Spaßobjekt, wenigstens bei Tinder, ist natürlich der ikonische "Hot or Not - Swipe", mit dem Mann und Frau einfach und intuitiv entscheiden kann, wer einem gefällt und wer eher nicht. Nicht umsonst heißt es, dass die Entscheidung für oder gegen einen Partner in den ersten paar Sekunden fällt, auch offline.

Doch nicht nur das Swipen, auch die übrige App geht runter wie Öl: mit Facebook verbunden, dort alle Infos abgreifen lassen (natürlich ein Horror für den Bewahrer der Tischmanieren und des Datenschutzes) und schon kann's los gehen. Kein müßiges Ausfüllen von Profilen und Vorlieben sondern die Konzentration auf das Wesentliche - dein Profilbild als Consommé deiner selbst.


Make Lust not Frust: keine Zurückweisungen

Was mit einfachen Zutaten beginnt wird mit schlichter Eleganz zubereitet: Swipen, Matchen, Daten. Der Clou ist hier, dass man vor Ablehnungen verschont wird und nur die Matches sichtbar werden. Es darf also jeder hemmungslos dazu stehen, wer ihm gefällt und wer eben nicht. Sobald sich zwei einig sind, gibt das ein "Match". Damit werden nicht nur unschöne Absagen vermieden, sondern auch die Kontaktaufnahme von Menschen, die man noch nicht mal auf seinem Smartphone ein zweites Mal sehen möchte. Genial einfach.

Der Dating Radar

Der Dating Radar ist eine schöne Idee "Created in Germany" vom größten Konkurrenten, nämlich Lovoo. Da wir hier Finessen von Dating-Apps inspizieren, darf dieses feine Feature nicht fehlen. Bei dieser Funktion werden alle aktiven User in einem bestimmten Umkreis um den Benutzer grafisch wie bei einem Radar angezeigt. Damit ist es auf einen Blick möglich zu sehen, wer wie weit von mir weg ist und selbst in welcher Richtung. Das gibt einem das wohlige Gefühl als Single nicht alleine zu sein, sondern es gibt allerhand Naschereien in der Nähe. Dieses Feature ist allerdings unter Datenschutzaspekten heikel: im August 2019 wurde die Dating-App Lovoo stark dafür kritisiert, die Ortung von Usern per Lateration zu ermöglichen ( Lovoo-Nutzer können geortet werden").

Matching in the Kitchen

Ein paar Algorithmen müssen es dann aber doch sein, um dem User passende Angebote präsentieren zu können. Wichtig ist dabei, dass man gewisse "Werte" teilt. Da es aber eben keine Fragebögen und tiefschürfenden Matching-Methoden gibt, baut Tinder auf eine schlaue Kombination aus Aktivität, Nähe und Responsiveness.

Dating-Elo oder Künstliche Intelligenz?

Dazu gibt es keine präzisen Angaben seitens Tinder sondern lediglich einen kleinen Überblick über das Matching (siehe Tinders Matching Method). Das Meiste ist durch genaue Beobachtung und zum Teil auch durch intensive statistische Recherchen in Erfahrung gebracht worden (siehe Tinderacademy).

Als führende Dating-App mit monatlichen Millionenumsätzen ist Tinder wohl über hart gecodete Matching-Algorithmen hinaus. Früher war es so, dass User mit vielen Likes auch eine höhere Chance hatten, angezeigt zu werden bzw. User wurde anhand der Quote gematched, d.h. Usern mit einer hohen Quote von Likes zu Nopes wurden andere User mit einer ähnlich hohen Quote angezeigt und solchen mit niedriger Quote, entsprechend weniger attraktiv empfundene Profile.
Ebenso galt es als gesichert, dass es förderlich war, selbst selektiv zu sein, also ein ausgewogenes Verhältnis von Likes und Nopes abzugeben. Aus diesen Zutaten errechnete sich ein Score, anlehnend an die Spielstärke im Schach auch als ELO bezeichnet. Das gehört aber spätestens seit März 2019 der Vergangenheit an.

Genauere Aussagen darüber, wie das Fein-Matching gemacht wird, gibt es nicht, aber es scheint offensichtlich, dass die enormen Mengen an Daten mit einem guten Schuss Künstlicher Intelligenz gequirlt werden und damit am Ende Matches herauskommen, die zwar keiner genau erklären kann, die aber aufgrund von Mustern im Userverhalten für die KI - und offensichtlich auch für die User - am Ende Sinn machen.

Und sonst nichts?

Tinder wirbt sogar damit eben gerade nicht Äußerlichkeiten wie Hautfarbe, Glauben, Schulbildung und Einkommen gegeneinander zu matchen und damit Offenheit zu fördern und Stereotypen abzubauen. Klingt wie ein schönes Konzept, ignoriert aber doch, dass dem einen italienisch vielleicht einfach besser schmeckt, als chinesisch - um im Food-Chargon zu bleiben.

Dennoch gilt es als gesichert, dass gewisse Verhaltensweisen berücksichtigt werden. Wenn du ein maulfauler Spielverderber bist und nicht mal dann zur virtuellen Tastatur greifst, wenn dir deine Dating-App die gebratene Taube in den Mund katapultiert, sprich du ein Match angezeigt bekommst, wirkt sich das höchst wahrscheinlich negativ auf deine Chancen aus, oft und früh angezeigt zu werden.

Da das Matching das Filetstück einer jeden Dating-App ist, wollen wir dieses Thema im folgenden Kapitel in allgemeiner Form weiter vertiefen.


Geschmackssache; Matchingfaktoren für Dating-Apps

Nachdem wir uns die Zutaten einer Dating-App einverleibt haben, wollen wir jetzt ans Kernstück ran: den heiligen Gral des Matchings. Wie eingangs geschildert, verwenden die Dienste, die eher Partnersuche als Dating App sind viel Mühe darauf, Fragenkataloge und psychologische Matchingverfahren auszuarbeiten, die Partner aus dem Pool wählt, die möglichst gut zusammen passen. Das Ganze ist allerdings auch immer eine Philosophiefrage: stimmt eher "Gegensätze ziehen sich an" oder "Gleich und Gleich gesellt sich gern"? Passen zwei Menschen nicht zueinander, weil sie vielleicht einen unterschiedlichen Glauben haben, oder wäre das nicht im Gegenteil sogar eine Gelegenheit für einen befruchtenden Austausch?

Insofern ist der Ansatz von Tinder durchaus legitim zu sagen: wir lieben die Vielfalt und lehnen Schubladendenken ab. Folgerichtig gibt es kein Matching auf Basis von klassifizierbaren Äußerlichkeiten sondern es wird eher überlegt, wie der User eine möglichst angenehme und unterhaltsame Erfahrung mit der App haben kann.

Präferenzen / Filter

Der Vollständigkeit halber sei mit aufgeführt: Grundlegende Suchkriterien sollten angeboten und nach diesen gefiltert werden. Tinder verwendet Geschlecht, Alter und Entfernungslimit. Die ersten beiden sollten Pflicht sein, wenigstens für eine Dating-Plattform. Gerade für neue Dating-Plattformen kann es aber sinnvoll sein, Nischen zu besetzten und speziellere Filter anzubieten. Die sexuelle Orientierung ist da ein Dauerbrenner, aber auch Glaubensfragen, Hobbies und Wertvorstellungen können ausschließende oder wertende Funktion haben.

Erst nach dieser grundlegenden Filterung, beginnt das eigentliche Matching.

Aktivität

User die seit Tagen oder gar Wochen nicht mehr aktiv waren, reagieren tendenziell langsamer und mit höherer Ausfallrate als solche, die vor kurzem noch aktiv waren. Der wichtigste Faktor, um bei Tinder vorgeschlagen zu werden ist also zunächst einmal, selbst aktiv zu sein. Die beste User Experience entsteht, wenn zwei User, die gerade aktiv sind, ein "Match" haben und direkt loschatten können. Der schöne Nebeneffekt dabei ist, dass damit auch die Nutzungshäufigkeit und -intensität steigt, zumindest bei Usern, die sich diesem Faktor bewusst sind.

Für uns als Entwickler der Super-Dating-App also ebenfalls ein "must have" mit der Option, den User auch ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass er besser ranked oder häufiger angezeigt wird, wenn er öfter online ist (Achtung: rechtliche Stolperfalle, siehe unten).

Geolocation / Nähe

Der zweite Faktor für das Matching ist die Entfernung zwischen den Usern. Auch das ist keine große Überraschung, schließlich ist der primäre Zweck der Dating App nicht der Zeitvertreib, sondern eines Tages das Match auch mal in der wahren Welt zu "Daten". Tendenziell werden also örtlich näher liegende Profile eher angezeigt als weiter entfernte.

Like-Ratio

Es ist immer etwas hässlich die Menschen nach Aussehen zu kategorisieren und wirklich gut funktionieren kann das auch nicht. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Dennoch macht es wahrscheinlich Sinn, die Extreme nicht miteinander zu Matchen. Bekommt einer eine extrem hohe Like-Rate und ein anderer eine auffällig niedrige, ist die Gefahr doch groß, dass der Unterschied im Aussehen so auffällig ist, dass daraus kein Paar wird oder sich wenigstens einer von beiden mit dem Partnervorschlag nicht wohl fühlt.

Gemeinsame Freunde

Ja, was so ein Facebook-Login alles kann! Kaum ein paar Daten geteilt und schon weiß die Dating-App, wer mit wem und über wie viele Ecken. Die gleichen Freunde zu haben deutet auf jeden Fall auf ähnliche Interesse oder "Peer-Groups" hin und ist ein guter Anhaltspunkt für ein Matching.

Userverhalten

Auch wenn der User keine Fragen beantwortet, spricht sein Verhalten doch Bände: wie lange braucht er für die Swipe-Entscheidung, schaut er auch weitere Bilder an oder entscheidet er eher beim ersten, wie schnell reagiert er auf eine Chatnachricht, wie lange sind seine Antworttexte. Selbst die Qualität der Antworttexte lässt sich mit entsprechend umfangreichem Datenmaterial einschätzen: je öfter auf seine Nachrichten geantwortet wird, umso ansprechender sind diese offenbar.

Durch das Tracking und die Analyse diese Verhaltensdaten lassen sich also eine Fülle weiterer Einschätzungen über den User treffen und für ein weiteres Matching verwenden. Vielleicht verpaart man eher die "Romanschreiber" als die Einsilbigen miteinander. Die mit eingehendem Interesse eher als die Swipe-Junkies und solche mit langen Antwortzeiten untereinander.

Bildinhalt und Qualität

Bilderkennung zählt heute zum Standard und es ist relativ unproblematisch zu erkennen, ob auf hochgeladenen Bildern auch tatsächlich Menschen zu sehen sind. Die meisten Partnersuche-Seiten verwenden hier Filter, um lediglich Bilder mit wenigstens einem Menschen drauf anzuzeigen. Tinder scheint es damit aber weniger wichtig zu haben und hat keine Probleme damit, auch Bilder z.B. von meinem Hund anzuzeigen - der Golden Retriever ist am Ende auch der bessere Mensch.

Automatisierte Bilderkennung kann aber noch mehr. Es können auch Wahrscheinlichkeitswerte zu sonstigen Parametern der Bildqualität wie Schärfe und Belichtung getroffen und damit Bilder bewertet werden.


Rezeptdetails: mit welcher Technik bringen wir den Kessel zum Brodeln

Gehen wir nun ins Detail der Zubereitung einer Dating App am Beispiel Tinder. Wie versprochen wollen wir dabei auch ein paar technische Details degustieren - Fachbegriffe lassen sich ab hier also nicht mehr ganz vermeiden.

Facebook Login

Für die meisten Apps heute eigentlich eine Hygienefaktor: statt den User damit zu gängeln, ein Konto anzulegen, wird er einfach über Facebook identifiziert. Aktuell klappt das noch relativ gut, doch die ungebrochene Marktmacht von Facebook scheint langsam zu bröckeln. Dennoch für den Moment aus unserer Sicht ein "must have" wie vielleicht sonst nur der Backofen in der Küche.

Tinder geht beim Facebook Login aber noch einen Schritt weiter und greift einige relevante Daten von deinem Facebook Profil ab, um diese in dein Tinder-Profil einzuspeisen. Der Datenschützer sprüht schon wieder Funken wie ein Tischfeuerwerk - der User findet es im allgemeinen sehr praktisch, nicht alles von Name über Alter bis hin zu besuchten Schulen nochmal eingeben zu müssen.

Geolocation

Die Standortbestimmung gehört zur leichtesten Fingerübung eines jeden App-Entwicklers und ist mit wenig Code machbar. Die Entfernungsbestimmung ist zwar rechenintensiv und eine lange Formel aber durch einfaches einsetzen und abschreiben leicht lösbar. Technisch gesehen also ein großer Nutzenbringer mit vergleichsweise kleinem Aufwand und daher Pflicht für jede seriöse Dating-App

Datenbank mit Umluft

Partnersuche funktioniert nur dann wirklich gut, wenn man viele User am Start hat. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass man entsprechende Kenntnisse bei der Gestaltung von Datenbanken mitbringen sollte, um große Datenmengen und rechenintensive Operationen verarbeiten zu können. Im Falle von Tinder kommen hier Mongo, DynamoDB und Redis zum Einsatz. Mit diesen Techniken lassen sich auch viele tausend Zugriffe pro Sekunde bei Latenzzeiten im einstelligen Millisekundenbereich abarbeiten.

Startups haben aber oft nicht die finanziellen Mittel um hochqualifizierte Spezialentwickler zu bezahlen - für den Anfang ist natürlich auch ein Start mit einfacheren Mitteln, wie mit der guten alten MySQL Datenbank möglich. Die Einführung komplexerer Lösungen stellt sich ohnehin erst bei Erfolg der App und kann dann einfacher finanziert werden.

Chat

Der Chat ist der nächste wichtige Punkt, wenn es ein Match gegeben hat. Prinzipiell gibt es hier technisch wenige Hürden. Mit Service Workern lässt sich das recht performant umsetzen. Der Chat bietet auch gute Gelegenheiten, weitere Informationen über den User zu erhalten. Tinder ermöglicht beispielsweise das "liken" eines Beitrages, was wieder einen schmackhaften Rankingfaktor abgibt.

Push Notifications

Keine Dating-App ohne Push-Notifications! Es ist absolut wichtig, diesen Trigger zu nutzen um unser Hook-Model am Laufen zu halten. Jedes positive Ereignis wollen wir dem User mitteilen und ihn damit wieder in die App holen. Ein Match ist auf jeden Fall eine Push-Note wert. Technisch lässt sich das mit Googles Firebase Cloud Messaging (FCM) betriebssystemübergreifend und ohne großen Aufwand umsetzen.


Geld oder Liebe? Monetarisierung einer Dating App

Hat Spaß gemacht bisher, aber richtig satt geworden sind wir noch nicht, oder? Was noch fehlt ist die Monetarisierung unserer Dating App! Auch hier kann uns Tinder als glänzendes Beispiel dienen, wie man eine Dating-App nach allen Regeln der Kunst in eine geldtriefende Kalorienbombe verwandelt.

Premium und Abos

Es muss ja nicht alles kostenlos sein. Kreative haben sich zuckersüße Features ausgedacht, die das Daten noch schöner und die Partnersuche noch einfacher machen. All diese Features zusammen genommen lassen sich dann in unterschiedlichen Abstufungen zu ein bis zwei Premium-Paketen, im Falle von Tinder in das Plus- und das Gold Abo verpacken.

Swipen bis der Daumen glüht

Ein echter Spieler verzockt am einarmigen Banditen noch den letzten Euro und am Smartphone seinen rechten Daumen. Um dem Einhalt zu gebieten und Anreize für bezahlte Features zu schaffen, ist in der kostenlosen Version die Anzahl der täglichen Swipes limitiert. Mit Plus kann man dieses Limit aufheben.

Likes you

Tinder Gold bietet dabei noch einen unschlagbaren Bonus an: man muss nicht endlos rechts swipen, um Matches zu finden, sondern du bekommst ein Listing mit allen, die dich geliked haben. Ein immenses Verkaufsargument, insbesondere wenn einem mit dem Anblick der verschwommen dargestellten Profile bereits der Mund wässrig gemacht wird.

Passport

Auch bezahlt verfügbar ist die Funktion Passport mit der man einen beliebigen Standort einstellen und so andernorts wenn schon nicht direkt daten, so doch swipen kann.

Für die Knauserer kann man die Features separat bündeln und schafft damit preiswerte Häppchen, die auch dem kleinen Geldbeutel nicht weh tun. Schauen wir uns die Features genauer an.

Mehr als Like, Super-Like!

Wenn wir von einer richtigen Sahneschnitte ausgehen (ja, es ist damit politisch völlig unkorrekt eine attraktive Dame gemeint - die Wortwahl war hier unvermeidlich) so fällt man bei dieser mit einem trockenen Like durchs Raster - davon gibt es einfach zu viele. Ein saftiges Super-Like muss her - warum sind wir darauf nicht selbst gekommen? Was banal klingt ist aus Marketingaspekten ein hervorragendes Tool: wer bei einer bestimmten Person richtig Eindruck schinden und die Ernsthaftigkeit durch die Investition baren Geldes unterstreichen will, hat damit die Möglichkeit.

Boosts

Dir musste man schon als Kind ein Schnitzel um den Hals binden, damit wenigstens der Hund mit dir spielt? Kein Problem: mit einem Boost kann dein Profil noch so schlecht geranked sein - du wirst trotzdem "eines der Top-Profile in deiner Umgebung". Und das für sage und schreibe 30 Minuten. So macht es Tinder und eine separate Bezahloption für die besser platzierte oder hervorgehobene Darstellung ist in jeder Dating-App ein gerne gesehenes Leckerli.

Werbung / Ads

Werbung ist tot, es lebe die Werbung. Schon längst wird in Apps die Werbung nicht mehr für die paar Cent eingebaut, die man damit verdient, sondern es geht dabei fast nur noch darum, den User freundlich daran zu erinnern, dass die App kostenlos ist und er durch den kleinen Obolus einen Premiumpakets diese nervigen Unterbrechungen vermeiden kann.

Traurige Negativbeispiele sind Apps, die tatsächlich versuchen, über Werbeeinblendungen die App zu finanzieren und diese daher so penetrant verbauen, dass jeder User nach dem ersten Besuch das Weite sucht. Tinder im Gegensatz macht das sehr dezent: nach gefühlt jedem 50 Swipe kommt mal eine Anzeige - das ist zu verschmerzen und doch ein Grund mehr für "Tinder Plus".


Gründe für den Verdauungsschnaps: Rechtliches und Fake Profile

Es war ein herrlicher Genuss bisher - nun fehlt nur noch der Schnaps, um die schwerer verdaulichen Brocken verdaut zu bekommen. Hier sind sie:

Fake Profile

Jede Dating-App hat mit Spaßvögeln zu kämpfen, die Ihre Oma, Ihre Geschlechtsteile oder - wie in meinem Falle - ihren Hund als Profilbild einstellen. Für die Spaßvögel mag das lustig sein, die anderen User nervt sowas eher und im schlimmsten Falle ist man als Betreiber so einer Plattform in der Haftung, gesetzteswidrige Inhalte zu vermeiden. Bei der Entwicklung einer Dating App sollte man also unbedingt auch eine Strategie parat haben, wie man mit solchen Profilen umgeht und wie man sie entdeckt. Bildanalyse ist eine eigene Brache geworden, eine gute Adresse ist hier etwa pixray.

Ein noch größeres Problem sind vielleicht die Profile, die auf den ersten Blick echt aussehen mögen, auf den zweiten aber Verdächtig sind. Fake Profile werden aus diversen Gründen betrieben, etwa zum Phishing. Man könnte durchaus auch den Eindruck gewinnen, dass einige Betreiber von Dating Apps und Partnerbörsen auch gezielt schöne Profile generieren und automatisiert von dieses Likes verteilen lassen, um andere User zum Kauf von Premium-Features zu veranlassen. Solche Praktiken mögen verlockend sein - rechtlich wäre so etwas aber keine Bagatelle, sondern Betrug und damit eine Straftat. Dazu kommt der berechtigte Vorwurf der Wettbewerbswidrigkeit.

Suchtgefährdung und Abhängigkeit

Mit steigendem Erfolg wird eine Dating App immer sträker in den Fokus diverser Schützer geraten. Die Datenschützer kommen gleich nach den arbeitslosen Juristen, die Impressums-"Delikte" ahnden. Kurz danach hat man es dann aber auch schon mit schwereren Geschützen zu tun. Jugendschutz ist immer ein Thema, deswegen sind Dating-Apps grundsätzlich erst ab 18.

Und dann ist da noch die hässliche Sache mit dem Abhängigkeitspotenzial solcher Apps. Wie beschrieben nutzt de