Order Apps im Geschäftskundenbereich

05.08.2022
Dem Kunden die Bestellung per App zu ermöglichen ist die Königsdisziplin sowohl in Punkto Kundenfreundlichkeit, als auch im Hinblick auf die Kundenbindung. Da Kunden heute die Qual der Wahl haben, wird es dabei zunehmend auch im B2B Bereich immer wichtiger, die Bestellaufgabe so komfortabel und effizient wie möglich zu machen.

Die Geschichte der Order-Apps

Im Endkundengeschäft ist die Order-App heute nicht mehr wegzudenken. Gerade in Bereichen, wo regelmäßig Bestellungen aufgegeben werden und die App nicht nur Produktkatalog sondern auch zu Elektronik geronnenes Kundenbindungstool geworden ist, werden diese sehr erfolgreich eingesetzt. Beispiele dafür finden sich in jeder Branche von Mode über Baumarkt bis zur Tiernahrung.

Ja, es wurde noch viel spannender: Die Idee, Lieferanten und Nachfrager per App zusammenzubringen und damit einen greifbaren Mehrwert zu generieren, wurde zum Geschäftsmodell an sich. Die Bestell-App als Selbstzweck sozusagen. Denken Sie an Lieferando und Uber, und sie werden feststellen, dass diese Unternehmen gar nichts mehr selber herstellen, außer der Order-App an sich. Digitale Pioniere, die heute einen Börsenwert in Milliardenhöhe haben.

Etwas gemütlicher geht es am anderen Ende der Skala zu. Hier befindet sich die B2B Welt: von Natur aus getragen von langjährigen Geschäftsbeziehungen und einer geringeren Dynamik als der Markt mit Endkunden. Große Bestellungen, also geringe Stückkosten pro Bestellung bedeuten einen geringen Druck, den Prozess zu optimieren. So könnte man die Situation im B2B Geschäft für die meisten Branchen zusammenfassen. In der Praxis wurde gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen wohl oft auch nicht so genau hingeschaut: Man ist zufrieden mit dem Stand der Dinge und beruft sich unbewusst darauf, dass die Bestellung auf Zuruf ja bisher auch funktioniert hat und es daher offenbar kaum Gründe gibt, daran zu rühren. "Never change a winning team" - eine weit verbreitete Einstellung, die man verstehen kann.

Allerdings verkürzt dieser Blick auf die Dinge die tatsächlichen Chancen der Digitalisierung des Bestellprozesses. Allen voran ist dabei natürlich die offensichtliche Kosteneinsparung zu nennen, wenn Bestellungen per Schnittstelle direkt im eigenen ERP landen, ohne dass ein Mitarbeiter die stupide von Hand und dann gerne auch mit einer Handvoll Fehler ins System einhackt. Noch wichtiger ist aber wohl der Servicegedanke, der Unternehmen heute gerade auch im B2B Bereich dazu treibt, Bestellungen per App zu ermöglichen.

Bestellapps im B2B Bereich: ein absoluter Wachstumsmarkt

Hier im App Entwickler Verzeichnis erreichen uns jeden Tag Anfragen und so haben wir einen ganz guten Einblick in die Trends um Themen des Marktes. Ganz allgemein ist das Jahr 2022 wohl das Jahr der Business Apps und hier insbesondere das der Bestell-Apps:

Wie die Tabelle zeigt, stiegt die Nachfrage nach Bestell-Apps im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 80%. Buchungstools im B2B Bereich wurden damit am zweithäufigsten nachgefragt.

Warum steigt die Nachfrage nach Order Apps gerade - insbesondere im Geschäftskundenbereich - nun aktuell so stark?

Dafür lassen sich sicherlich zahlreiche Gründe finden: die fortschreitende Digitalisierung erreicht nun auch die B2B Welt, in der bisher etwas weniger Wettbewerbsdruck geherrscht hat. Gleichzeitig wird es immer einfacher, ein ERP wie SAP oder Microsoft Dynamics über eine standardisierte Schnittstelle anzuzapfen und Daten damit sowohl in eine Bestell-App hinein (Produkt- und Kundendaten) sowie heraus (Bestelldaten) zu transportieren.

Weit entscheidender sind bei der B2B Bestellung jedoch die Faktoren Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Sicherlich gibt es in vielen Lieferantenbeziehungen alleine aufgrund der Langlebigkeit eine gewisse Stabilität die es im Endkundengeschäft so nicht gibt. Doch man darf sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass heute praktisch jeder Lieferant ersetzbar ist und bei zunehmender Vergleichbarkeit der Produkte neben dem Preis auch die Geschwindigkeit und der Komfort des Bestellprozesses ausschlaggebende Rollen spielen.

Gründe für die Digitalisierung der Bestellannahme in einer Order-App

Zusammenfassung der Vorteile von Order Apps in der B2B Bestellung

  • Kosten-/Ressourceneinsparung durch direkte Einspeisung von Bestellungen aus der App in das ERP
  • Kundenzufriedenheit: Die Bestell-App bietet dem Kunden eine aktuelle Produktübersicht - im Optimalfall mit Verfügbarkeiten, Preisen und Lieferterminen. Diese Informationen muss er ohne Bestell-App in der Regel manuell vom Vertrieb erfragen, was umständlich ist und beide Seiten Zeit kostet
  • Kundenbindung: der vereinfachte Bestellablauf bewirkt dadurch automatisch auch eine zusätzliche Kundenbindung, denn je einfacher es für den Kunden ist im aktuellen System eine Bestellung aufzugeben, umso unwahrscheinlicher ist ein Wechsel zu einem konkurrierenden Anbieter
  • Die Produktlistung in der Order App kann dazu führen, dass der Kunde Produkte entdeckt, die ihm bisher nicht bekannt waren und damit den Umsatz steigern
  • Verkaufsfördernde Maßnahmen in der App: Eigenbanner und Push-Nachrichten können zusätzlichen Anreiz schaffen, neue Produkte zu entdecken oder den aktuellen Bedarf frühzeitig (bei Ihnen) zu decken. Dabei können diese Maßnahmen digital gestreut werden und kosten damit nicht mehr als ein paar Klicks im Vergleich zur individuellen Kontaktaufnahme durch Vertrieb oder Außendienst
  • Prozesssicherheit: Bestellungen, die über die Order-App eingehen erreichen ihr Ziel zu praktisch 100%. Bestellmails im Junk-Order oder weggeworfene Butterbrotpapiere auf die man dummerweise noch eine Bestellung Gekritzel hatte, sind damit Vergangenheit
  • Geschwindigkeit: ob aufgrund von Just-in-time Belieferung oder einfach optimierter Bestellung mit minimaler Bindung von Finanzmitteln - immer ist es von Vorteil wenn von der Bestellaufgabe bis zur Auslieferung möglichst wenig Zeit vergeht. Durch die digitale Bestellannahme erreicht die Bestellung - im Optimalfall - direkt das ERP und spart damit manchmal Tage, meist aber wenigstens Stunden in der Bestellbearbeitung.
  • Die fortschreitende Digitalisierung erhöht den Druck auf Nachzügler, ebenfalls verbesserten Kundenservice per Bestell App anzubieten, um nicht Kunden an Wettbewerber zu verlieren.

Wir sehen: neben der schnöden Kosteneinsparung gibt es noch eine Reihe sehr triftiger Gründe, die für den Einsatz digitaler Bestellsysteme auch und gerade im Business-Bereich sprechen.

Technische Anforderungen an Order-Apps für Bestellungen von Unternehmen

Auch bei den technischen Anforderungen ist es interessant, den Vergleich zu Bestell-Apps im B2C Bereich zu ziehen. Wenn man sich vorstellt, man verkauft Pullover, Sportgeräte oder Elektronik per App an einen Endkunden stellt man fest: es macht für die App gar keinen Unterschied, was man verkauft - die Anforderungen bleiben die gleichen.

Wenn man an Geschäftskunden verkauft bemerken wir aber schnell, dass hier die Anforderungen ganz anders sind. Je nach Branche und Gut muss die Order App ganz andere Dinge leisten.

B2C (Endkunden)B2B (Geschäftskunden)
Produktpräsentation
Produkte sind tendenziell wenig erklärungsbedürftig, Fokus auf Bildern Produkte sind oft erklärungsbedürftig oder konfigurierbar
Jeder Kunde bezahlt den selben Preis Preise sind meistens Verhandlungssache und müssen kundenindividuell oder entsprechend Kundengruppe angezeigt werden
Warenkorb
Kunden kaufen stückweise Verkäufe können auch nach Stunden, Tonnen, km und und vielen anderen Maßeinheiten stattfinden. Zudem werden Produkte oft in verschiedenen Gebindegrößen angeboten
Die Versandkosten sind relativ einfach zu berechnen und werden mittlerweile von den meisten Anbietern ab einem bestimmten Warenwert getragen Je nach Branche gibt es völlig unterschiedliche Gepflogenheiten, wie mit Versandkosten umgegangen wird - inklusive einem eigenen Vokabular
Konditionen
Es gibt keine Individualvereinbarungen. Kunden werden dazu angehalten, per Online-Banking sofort zu bezahlen. Stammkunden können oft auf Rechnung bezahlen. Viele unterschiedliche Vereinbarungen zur Bezahlung und Lieferung sind möglich und müssen je nach Kunde differenziert angezeigt/angeboten werden
Lieferung
In der Regel unverzüglich per Post/Paketdienst Die Lieferart ist oft mengenabhängig. Der Liefertermin kann einem bei eigener Auslieferung einem Belieferungsplan unterliegen, den die App berücksichtigen muss. Expressleistungen können in manchen Branchen sinnvoll sein. In anderen Fällen ist die Anlieferung nicht vor/nach einem bestimmten Termin notwendig.

Die Unterschiede zwischen der Bestellaufnahme beim Endkunden und dem Geschäftskunden ist also gravierend. Aus diesem Grund ist es auch kaum möglich, Order Apps im B2B Bereich als Lösungen von der Stange zu kaufen. Werfen wir daher nachfolgend einen Blick auf die benötigte Individualisierbarkeit von Order Apps für Geschäftskunden.

Hoher Grad der Individualisierung

Bisher hat sich alles so wunderschön einfach angehört: per App oder online digital bestellen (lassen) und nicht nur den Kunden glücklich machen, sondern auch noch Zeit und Geld sparen. Bevor wir jedoch die Füße auf den virtuellen Schreibtisch hochlegen und uns an den Früchten der Digitalisierung laben können, hat der Herrgott die schweißtreibende Arbeit der App Entwicklung gesetzt.

Wie wir im vorigen Abschnitt gelernt haben, ist im Geschäftskundenbereich eine Standardlösung praktisch nicht möglich - wir müssen also individualisieren.

Die gute Nachricht ist: als digitaler Pionier haben Sie höchst wahrscheinlich von viel von der notwenigen Vorarbeit erledigt, nämlich alle Unternehmensdaten zentral in einem ERP zu verwalten. Damit fehlt praktisch "nur" noch ein Pflichtenheft und ein versierter Entwickler - am besten einer, der sowas schon mal gemacht hat - und schon steht der eigenen Order App nichts mehr im Wege.

Integration von Bestell-Apps in das ERP

Das bringt uns zu den Überlegungen, die es im Hinblick auf den Zugriff auf das firmeneigene ERP gibt. Früher war es sehr kompliziert, Daten in diese Systeme hinein oder heraus zu bekommen, weil diese natürlich sensibel und daher hochgradig schützenswert sind.

Aus diesem Grund hat sich schon frühzeitig ein branchenübergreifender und internationaler Standard zum elektronischen Geschäftsdatenverkehr etabliert, der auf das griffige Akronym EDIFACT hört. Dabei gibt es für verschiedene Branchen verschiedene Subsets dieses Standards. Gleich ist aber allen, die Standardisierung der Nachrichtentypen und des Aufbaus, über die mit überschaubarem Aufwand Daten mit einer Order-App ausgetauscht werden können.

Und ist erst einmal die Anbindung des ERP an die Bestellapp geschafft, sind auch die gestellten Anforderungen an die individuelle Entwicklung gut lösbar.

Native Apps und Web Apps für die Bestellannahme

Werfen wir zu guter Letzt noch einen Blick darauf, wie man so eine App technisch umsetzt. Grundsätzlich gibt es dabei immer die Möglichkeit, die Order App als reine Web-App zu betreiben, also letztlich als besonders optimierte Website die Daten dynamisch lädt und sich an verschiedene Ausgabegeräte anpasst.

Ebenfalls möglich ist die native Programmierung mit eigenen Apps in den App Stores von Apple und Google. Hier sind insbesondere die leichtere Auffindbarkeit als gewisser Vorteil im Marketing zu nennen.

Alle Details zu dieser Thematik finden Sie in unserem Artikel Native App vs. Web App


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