Microsoft schluckt Nokias Symbian

London, 11. Februar 2011
Microsoft und Nokia verbünden sich in einer weitreichenden strategischen Allianz: Nokia wird künftig seine Smartphone mit dem Windows Phone 7 (WP7) Betriebssystem ausliefern - die Bemühungen, das eigene Betriebssystem Symbian zu modernisieren wurden damit aufgegeben.
In einem offenen Brief der CEOs von Nokia und Microsoft geht Nokia sogar so weit, Windows Phone als ihre primäre Smartphone Strategie zu betiteln. Die Allinaz macht durchaus Sinn: der finnische Platzhirsch auf dem Handymarkt hatte den schnell abfahrenden Zug der Smartphones und damit die Entwicklung eines zeitgemäßen Betriebssytems gründlich verpasst - ebenso wie Microsoft hardwareseitig kein eigenes Gerät für ihr Windows Phone 7 Betriebssystem ins Rennen schicken konnte.


Durch die zuletzt zwar stark eingebrochenen, aber immernoch starken Absätze von Nokia findet Microsofts bisher kaum verbreitetes Windows Phone 7  einen hervoragenden Marktzugang. Nokias App-Store wird dem Microsoft Marketplace einverleibt - ein deutliches Signal, wer in Zukunft das Heft bei den wichtigen strategischen Entscheidungen bezüglich der App-Politik in der Hand halten wird. Und in Redmond hat man sich noch weitere Zugeständnisse gesichert: Microsofts dahin siechende Suchmaschine Bing wird in allen Nokia Endgeräten ab sofort der Standard sein.

 

Wäre das nicht schon Grund genug zur Freude für Steve Ballmer, so wurde der Weg zu diesem Deal mit noch weiteren Bonbons gepflastert. Nokia verfügt über sog. "carrier billing agreements" - Verträge mit Telefongesellschaften, die es erlauben, Leistungen über die Nokia Geräte zu kaufen, die dann auf er Telefonrechnung erscheinen. Diese Verträge eröffnen Microsoft beste Absatzmöglichkeiten für eigene Services über Windows Phone.

Sicher werden die Finnen dafür von den angekündigten gemeinsamen Marketingaktivitäten und dem zeitgemäßen Betriebssystem in erheblichem Maße profitieren. Dennoch dürfte es Stephen Elop nicht ganz leicht gefallen sein, damit ein weites Geschäftsfeld des Unternehmens, das der Softwareentwicklung, ersatzlos zu streichen. Für Microsoft hingegen scheint der Deal keine Schattenseiten zu haben. Die Entwicklung einer eigenen Hardware wurde bereits Mitte 2010 gestoppt.

 


Auswirkungen für App Entwickler

Die Entwicklungstools von Microsoft für Windows Phone 7 werden damit künftig auch für die Entwicklung von Apps einsetzbar sein, die auf Nokias neuer Hardware laufen. Damit gibt es ein Betriebssystem weniger, womit auch schon das Ende der guten Nachrichten erreicht ist.

Microsoft steht seit jeher für einen großen Willen zur Marktdominanz, ist kein Freund von OpenSource Ideen und versucht seine Software auch gegen den Widerstand selbst der Endkunden auf dem Markt durchzusetzen; wir erinnern uns an die gerichtlichen Auseinandersetzungen um Microsofts Wunsch, Windows im Auslieferzustand frei von anderen Browsern zu halten.

Leider wird sich dieser Trend nun auch bei den Smartphones fortsetzen. Wie zu erwarten war, setzt WP7 bekanntlich auch beim Browser im Gegensatz zu allen anderen Herstellern auf den zu Recht stets heftig kritisierten Internet Explorer. Selbst im Jahr 2010 erreicht dieses Stück Software beim Acid 3 Test, der die Befolgung der Regeln des W3C durch den Browser mißt, gerade mal 12 von 100 Punkte (siehe golem).

Es bleibt zu hoffen, dass Microsoft bei den äußerst vollmundigen Ankündigungen für die Endverbraucher auch seinem Schlachruf nach Entwicklern treu bleibt und denen nicht bei der App Entwicklung ebenso das Leben schwer macht, wie bei der Web Entwicklung:

 

{source}
<!-- You can place html anywhere within the source tags -->

<iframe title="YouTube video player" width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/O_aqmnvfKbg" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>
<script language="javascript" type="text/javascript">
    // You can place JavaScript like this
    
</script>
<?php
    // You can place PHP like this
    
?>
{/source}





Twittern