Windows Phone & Mobile: Rückzug aus dem Kundengeschäft

WindowsPhoneisdead Fotolia160Selten wurden so deutliche Worte zum gescheiterten Versuch im Smartphone-Markt mitzumischen gesprochen, wie die von Microsofts CEO Satya Nadella: „Wir haben das Smartphone ganz klar verschlafen.“ Ein Marktanteil von etwa einem Prozent und Anbieter, die ihre Apps nicht mehr für Windows Mobile anpassen wollen sorgen bei Microsoft für drastische Schritte. Hieß es vor ein paar Jahren noch, dass der Marktanteil auf gut und gerne 20 Prozent ansteigen und somit sogar Apples iOS ausstechen könnte, will sich Microsoft nun vom Kundenmarkt zurückziehen.

 

Microsoft Windows - Auf dem Desktop weit verbreitet, Mobile 1%

Im Bereich der IT ist Microsoft ein Pionier und Vorreiter. Windows ist das weltweit am weitesten verbreitete Betriebssystem – allen voran noch immer Windows 7, das inzwischen allerdings nicht mehr verkauft wird. Hier zeigt sich der Wille der Entwickler aus Redmond, stets up to date sein zu wollen.

Das mag für PC-Systeme auch durchaus funktionieren. Im Smartphone Markt jedoch konnte Windows nie wirklich Fuß fassen. Die Glanzzeit des Betriebssystems liegt etwa fünf Jahre zurück, als sich Windows Mobile mit einem Marktanteil von etwa vier Prozent behauptete und Experten noch eine rosige Zukunft prophezeiten, die Anteile von über 20 Prozent in Aussicht stellten. Hätte sich dies bewahrheitet, wäre sogar Apples iOS ausgestochen worden.

So weit kam es allerdings nie. Stattdessen begann ein langsames, aber stetiges Sterben der Telefone mit Windows Betriebssystem. Inzwischen unterstützen einige App Entwickler nicht einmal mehr Geräte unter Version 8.1.

 

Windows Phone: Noch nicht tot – aber auch nicht mehr wirklich am Leben

Dass diese Entwicklung mit Sorgenfalten auf der Stirn beobachtet wurde, erklärt sich von selbst. Bevor der Microsoft-Stern allerdings im freien Fall verglüht, zieht CEO Satya Nadella persönlich die Notbremse und verschiebt den Fokus der Hersteller. Er räumt Fehler ein, gesteht „das Smartphone ganz klar verschlafen“ zu haben. Aufgeben will er trotzdem nicht. Stattdessen soll sich Windows Phone künftig in Nischen etablieren. Der neue Fokus liegt auf den Business-Usern und erste Schritte in diese Richtung wurden bereits getan.

Man wolle sich aus dem Kundenmarkt zurückziehen und Windows Mobile Geräte den Business Usern zur Verfügung stellen. Hier rechnet sich Microsoft deutlich größere Chancen aus. Grund dafür sind Funktionen wie „Continuum“, die es erlauben, das Smartphone an einen Bildschirm anzuschließen und wie einen Desktop-Rechner zu nutzen.

Dass Microsoft diesen Weg nun tatsächlich gehen würde, war allerdings absehbar. Bei den Endkunden kam das mobile Betriebssystem einfach nie so gut an, wie die Konkurrenz von Apple oder Android. Einer der Gründe dafür war das vergleichsweise dünne Angebot in den App Stores. Viele Anwendungen wurden erst gar nicht für Windows Phone angeboten. Mittlerweile dünnt sich das Angebot noch weiter aus, Amazon und PayPal stellten den Support ein. Neben einem App-Sterben wird der Zerfall von Windows somit noch weiter beschleunigt.

 

Keine Unterstüzung mehr für Skype!

Bereits Mitte des Jahres verkündete die Microsoft Tochter Skype, dass sie Windows Smartphones nicht mehr unterstützen und sich lieber „Plattformen der Zukunft“ widmen wolle. Solche Worte aus den eigenen Reihen sind bitter. Auch die Tatsache, dass ältere Versionen von iOS und Android nicht mehr versorgt werden sollen, lindert den herben Beigeschmack dieser Aussage nicht. Immerhin verkaufen sich die Geräte der beiden Konkurrenten deutlich besser und lassen sich bis zu einem gewissen Punkt upgraden.

 

Windows Phone 10 hätte helfen können

Natürlich hilft es nicht viel, über „hätte“ und „könnte“ zu spekulieren, dennoch hätte die Situation durchaus anders aussehen können, wenn Microsoft Windows Mobile 10 früher für mehr Geräte verfügbar gemacht hätte. Während der Großteil der Geräte noch auf den Versionen 8 oder gar 7 laufen, wurden nur wenige Smartphones mit Version 10 ausgestattet.

Obwohl bereits Anfang 2015 vorgestellt und mit umfassenden Update Maßnahmen angekündigt, fand es aber nahezu nur auf dem Nokia Lumia 950 (XL) Verwendung. Das ist besonders ärgerlich für die Käufer der anderen Modelle, die sich nun gezwungen sehen, früher oder später wieder viel Geld für ein anderes Gerät ausgeben zu müssen.

Schlägt man hier erneut eine Brücke zwischen dem mobilen Betriebssystem und Windows für Desktop PCs, hätte sich Windows Mobile 10 möglicherweise deutlich besser etablieren können, wenn ein Upgrade ähnlich Windows 10 in Aussicht gestellt worden wäre. Nicht nur per Ankündigung, sondern so, wie man es nun mal von Software Updates auf dem Smartphone gewohnt ist.

 

Windows Phone soll zum Nischenfenster werden

Ob es der richtige Weg ist, noch höherwertigere Geräte zu produzieren, die nicht für den breiten Markt angeboten werden, ist fraglich. Dennoch will Microsoft-Chef Nadella genau diesen Weg einschlagen. Die Rede ist von High-End-Geräten: Weg vom Kundenmarkt hin zur Business-Nische.

Allerdings halten viele Nokia Lumia Besitzer dagegen, dass ihr Gerät ebenfalls nicht billig war und dennoch nicht mit Windows 10 versorgt wurde. Andererseits steht außer Frage, dass Microsoft es noch immer schafft, auf dem PC-Markt Anteile zu gewinnen. Flaggschiff der neuen Windows Rechner ist das neue Surface Studio, das durchaus das Potenzial hat, die Macs von ihrem Thron in den kreativen Berufen zu stoßen.

 

Auch in Hinsicht auf Virtual und Augmented Reality (VR beziehungsweise AR) legen sich die Entwickler mit der Hololens mächtig ins Zeug. Diese projiziert digitale Inhalte in die reale Welt. In Kombination mit leistungsstarken High-End Smartphones und einem stabilen Betriebssystem, welches Windows nun mal ohne Frage ist, können durchaus neue technische Höhenflüge geschaffen werden. Erste Gerüchte über ein Surface Phone machen bereits die Runde und Nadella spricht sogar von einem „ultimativen Computer“. So beispielhaft negativ Microsofts Auftritt im Bereich der Smartphones war, so positiv könnte sich die Neuausrichtung für reine Business-User gestalten.

 

Dank der „Continuum“-Funktion, die es erlaubt, das Telefon an einen Monitor zu koppeln und quasi als Taschen-Computer zu nutzen, steigen Komfort und Mobilität beispielsweise im Außendienst noch einmal enorm an. Auch im Management ließe sich „Continuum“ für eine kurzfristige Präsentation nutzen, ohne die komplette Peripherie mit sich herumtragen zu müssen. Smartphone an einen Bildschirm docken, Präsentation starten, fertig. Legt Microsoft den Fokus also tatsächlich rein auf Business, können möglicherweise neue Märkte erschlossen werden.

 

 

Windows Mobile Apps – lohnen sie sich noch?

Im direkten Vergleich zwischen den mobilen Betriebssystemen steht Windows Mobile auf dem dritten Platz. Das System ist auf etwa 45 Millionen Geräten weltweit installiert. Ein Großteil davon in Frankreich und Italien. Spitzenreiter ist mit großem Abstand Android mit mehr als 1,8 Milliarden Geräten. Allein diese Zahl sollte schon verdeutlichen, wo der klare Schwerpunkt  für die Entwicklung von Apps liegt.

Und doch könnte sich dieses Ungleichgewicht als Chance für die App Entwicklung entpuppen, wenn man die Zielgruppe richtig wählt und vorausschauend entwickelt: In Hinblick auf die geplante Neuausrichtung Microsofts können Business-Apps für Windows Mobile die Konkurrenz auf Android oder iOS Geräten problemlos ausstechen.

Nüchtern betrachtet dürfte allerdings klar sein, dass in den App Stores von Google und iTunes deutlich mehr Gewinn möglich ist. Die Nutzung von Windows Geräten ist so gering, dass die Entwicklung einer App höchstens als Ergänzung in Erwägung gezogen werden sollte.





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