Apps in der Pflege: Mobile Health Care Apps

apps-pflege-mobile-health-cDer demografische Wandel wird zunehmend spürbar im Bereich der Pflege. Es gibt immer mehr ältere Menschen und damit nimmt auch die Zahl an Pflegebedürftigen zu. Gemäß dem Statistischen Bundesamt waren im Jahr 2013 in Deutschland 2,63 Millionen Menschen pflegebedürftig, 71% der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt.

Um dieser Entwicklung zu begegnen, fördert der Gesetzgeber die ambulante Pflege durch Angehörige und den Ausbau ambulant betreuter Wohngemeinschaften, was den Bedarf an Leistungen durch mobile Pflegedienste erhöht.

Im Folgenden geben wir einen Überblick zu unterschiedlichen Möglichkeiten von Apps in der Pflege, die bei der Organisation der Pflege sowie im Pflegealltag Unterstützung leisten können.

Die digitale Patientenakte

Derzeit besteht noch die Pflicht die Dokumentation über Pflegevorgänge beim Patienten auch in Papierform zu hinterlegen und erbrachte Leistungen per Signatur abzuzeichnen. Allerdings zeigt sich in Zukunft ein Wandel zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation ab, wodurch die digitale Patientenakte und damit auch die mobile Verwaltung von Patientendaten und Pflegevorgängen denkbar wird.

 

Verwaltungssoftware für ambulante Pflegedienste

dmrz Pflege VerwaltungssoftwareSpeziell für ambulante Pflegedienste haben verschiedene Anbieter Cloud-Lösungen für die Abrechnung von Leistungen im Gesundheitswesen entwickelt. Sie ermöglichen Informationen (z. B. Stammdaten) und Leistungen direkt beim Patienten zu erfassen, die Daten online auf allen verbundenen Geräten über das Internet zu aktualisieren und so die Erstellung der Pflegeverträge, Leistungsnachweise, Kostenvoranschläge sowie die Abrechnung mit den Kostenträgern zu erleichtern. Darüber hinaus bieten sie viele weitere Funktionen, wie z. B. die Anzeige von Statistiken (Umsätze, Erlöse), Erstellung der Pflegeplanung, Ausdruck von Berichten und Formularen über Pflegeverlauf mit entsprechenden Pflegestandards (Wunddokumentation, Sturzprophylaxe, usw.), Verwaltung von Arbeitszeitkonten, Dokumentation, Dienstplanung, Tourenplanung und einiges mehr. Bei den Software-Lösungen gibt es verschiedene Verkaufsmodelle.

Die Anschaffung der Verwaltungssoftware für ambulante Pflegedienste vom Deutschen Medizinrechenzentrum (DMRZ) ist kostenlos. Kostenpflichtig (0,5 % der Bruttorechnungssumme zzgl. Mehrwertsteuer) wird jedoch die Abrechnung der Leistungen per DTA (elektronische Abrechnung per Datenträgeraustausch) mit den Kranken- und Pflegekassen.

Bei caresocial erhält man für 149 Euro im Monat den Zugang auf einen virtuellen Pflegeserver mit einer konkurrierenden CareSocial Arbeitsplatz-Lizenz und drei konkurrierenden CareSocial Mobil-Lizenzen zur mobilen Datenerfassung sowie uneingeschränktem Software-Support. Es entstehen keine Anschaffungs- oder weiteren Kosten. Allerdings gibt es eine Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr.

Weitere Lösungen in dieser Kategorie sind zum Beispiel die auch als App zur Verfügung stehende Software eva 3 viva oder die DZH ambulant/intensiv App.

 

Apps für Pflegekräfte

Arznei aktuell Pflege AppApps für Pflegekräfte ersparen nicht nur erhebliche Laufwege und damit Zeit, sondern liefern auch Informationen auf dem neuesten Stand. Die Anzahl von Apps in der Kategorie "Health Care Professionals" ist mittlerweile einigermaßen unüberschaubar. Im Folgenden stellen wir einige hilfreiche Apps für Pflegekräfte vor, die auch für pflegende Angehörige nützlich sein können.

Die kostenlose App Arznei aktuell stellt alle gängigen Informationen wie z. B. Indikation, Kontraindikation, Nebenwirkungen, Warnhinweise, Wirkstoffe, Hersteller, Größe und Preis der Packungen zu verschiedenen Arzneimitteln zur Verfügung. Außerdem bietet sie eine ATC-/ICD-10-Suchfunktion und ist auch offline verfügbar. Daneben gibt es auch die Möglichkeit per App auf den kompletten Datensatz der Roten Liste zuzugreifen.

Die App Notfallmedikamente verschafft den Überblick über ein breites Spektrum der gängigen Präparate für den Notfall und bietet einige Extras, wie z. B. die Möglichkeit eine eigene Medikamentenliste zu erstellen, die Nutzung eines Rechners für die Berechnung von Narkose-Einleitung, Aufrechterhaltung und so weiter. Notfallmedizin enthält Informationen zur Medikation, Behandlung aller wichtigen präklinischen Notfälle, Basismaßnahmen und Algorithmen.

Arzneimittel Pocket  ist der elektronisch verfügbare handliche Ersatz für das gleichnamige Standardwerk.

Diagnosen können leicht mit Hilfe der ICD-Diagnoseauskunft ICD 10 Lite 2012 nachgeschlagen werden. Auch die DAK entwickelte eine App zur Diagnosesuche.

Nursing Essentials ist eine der bekanntesten Apps in der Pflege und beinhaltet Informationen zu sämtlichen die Pflege betreffende Themen wie z. B. Impfungen, Intubation, Medikamentendosierungen bei Kindern, neurologischen Untersuchungen, Verbrennungs-Management und vieles mehr.

Das Portal fachpflegewissen stellt eine App zur Verfügung, durch die es allen im medizinischen Bereich Beschäftigten möglich wird, auf eine Datenbank mit interessanten Artikeln zu medizinischen, pflegerischen und gesundheitspolitischen Themen zuzugreifen und diese diskutieren und aktualisieren zu können.

Die Wissensdatenbank Pflege.kompakt, die in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen und verschiedenen Praxispartnern zu den Themen Demenz und Schmerz seit Januar 2013 entwickelt wird, verfolgt das Ziel, die Wissensgrundlage, auf der pflegerische Entscheidungen getroffen werden, zu verbessern und praktisch Pflegenden verständliches, evidenzbasiertes und bereits synthetisiertes Wissen zu vermitteln. Mit Hilfe einer auf die individuelle Pflegesituation bezogenen bzw. kontextabhängigen Suche können, unter Berücksichtigung der eigenen pflegerischen Erfahrung, die im Artikel beschriebenen Maßnahmen angewendet und evaluiert sowie aktuelle Neuigkeiten rund um die beiden Themengebiete im App-eigenen Newsbereich abgerufen werdenFlexR Schichtplaner Pflege App.

Das Deutsche Ärzteblatt informiert per kostenloser App umfassend über die aktuellen Neuigkeiten rund ums Thema Medizin. Auch Informationen über politische Vorgänge in der Pflege sind hier zu finden.

Als wichtige Informationsquelle eignen sich auch mobil verfügbare Fachzeitschriften, wie z. B. das eJournal Häusliche Pflege oder Fachbücher in Form von eBooks zu Pflegethemen.

Laborwerte pro oder Blutwerte pro geben einen schnell navigierbaren und übersichtlich aufgebauten Überblick über die wichtigsten Routinelaborparameter und mögliche Ursachen über deren Erhöhung und Erniedrigung.

Die Wunddokumentation kann erleichtert werden mit Hilfe der Draco WundApp oder auch der App WundUhr.

Der kostenlose FlexR Schichtplaner bietet alle Möglichkeiten, um einen ausführlichen, individuellen Schichtplan zu erstellen und verschafft einen Überblick über anstehende und vergangene Arbeitszeiten. Er kann auch mit dem Kalender auf dem Smartphone synchronisiert werden, so dass die doppelte Eingabe der Dienstzeiten entfällt.

Darüber hinaus gibt es für Pflegekräfte sowie für Kliniken, Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste die App Pflege+Karriere, bei der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Pflege schnell und einfach für vakante Stellen finden können.

 

Apps für Auszubildende in der Pflege

i care wissen to go pflege app

Mit der App I care Wissen to go erhält man kompaktes, mobil verfügbares Wissen für die Pflegeausbildung aus den drei I care-Büchern des Thieme-Verlags "Pflege", "Anatomie, Physiologie" und "Krankheitslehre". Über die Suchfunktion, mit mehr als 30.000 Fachbegriffen und Schlagwörtern, findet man schnell Antworten auf Fragen. Hilfreich ist auch die Lernkarten-Funktion. Darüber hinaus kann man dazu beitragen, die App zu verbessern.

Die Elsevier-Lernkarten für Pflege- und Gesundheitsberufe gibt es auch als App. Mit abwechslungsreichen Aufgaben, unter anderem Lückentexten, Abbildungsbeschriftungen und Textfragen, lernt man prüfungsrelevante Fakten und kann Inhalte systematisch wiederholen. Folgende Funktionen stehen in der App zur Verfügung: automatische Auswertung der beantworteten Fragen, Merkfunktion, Suchfunktion, Zufallsmodus und gezielte Wiederholung gemerkter oder falsch beantworteter Fragen. Kartenpakete sind über den Lernkarten-Shop in der App erhältlich.

 

Apps für pflegende Angehörige

wheelmap pflege appImmer mehr Menschen pflegen ihre Angehörigen zu Hause. Hier ein paar Beispiele für App-Anwendungen, wodurch die Bestimmung des Pflegebedarfs erleichtert oder auch der Pflegealltag besser bewältigt werden kann.

Die Pflege-App beinhaltet Informationen zu Leistungen der Pflegekassen, Pflegebedürftigkeits-Erhebung, Alltagskompetenz-Erhebung, Body-Mass-Index-Rechner, Ärztlicher Bereitschaftsdienst-Suche, Apothekennotdienst-Suche und so weiter und ist damit nicht nur für Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten interessant, sondern auch für pflegende Angehörige.

Das Interaktive Pflegetagebuch hilft bei der Feststellung des Pflegebedarfs. Hiermit kann die Zeit, die für die Pflegetätigkeiten benötigt wird, detailiert festgehalten werden, so dass man auf den Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) gut vorbereitet ist, denn die Einstufung in die drei Pflegestufen, die der MDK vornimmt, bemisst sich am zeitlichen Aufwand, der jeden Tag für die Pflege anfällt. Die App bietet praktische Funktionen wie z. B. eine Stoppuhr und gibt nützliche Kurzinfos zu den einzelnen Tätigkeiten.

Die App Kinaesthetics Care wurde mit dem Health Media Award 2015 in der Sonderkategorie „Pflege und Demenz“ ausgezeichnet. Es handelt sich um die erste Schulungs-App für pflegende Angehörige, die schnell und einfach in die Grundabläufe der häuslichen Pflege einweist und verständlich anleitet. Der Schwerpunkt liegt auf dem Lehren der Bewegungsempfindung (Kinästhetik), das in der Gesundheits- und Krankenpflege eine wichtige Rolle spielt. Die App vereint Informationen und integrierte Lernvideos sowie Wissenswertes über die Leistungen der Pflegekasse, Vorsorgeregelungen und Betreuungsangelegenheiten. In Notsituationen bietet sie erste Hilfe. 

Die Wheelmap ist eine interaktive Karte für Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter. Sie zeigt mit Hilfe eines Ampelsystems die Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer an, zum Beispiel, ob ein Fahrstuhl vorhanden ist oder ein barrierefreier Zugang zu einem Geldautomaten besteht. So kann man auf einen Blick sehen, ob die Orte in der Umgebung rollstuhlgerecht ausgebaut sind. Zusätzlich kann die Rollstuhlgerechtigkeit öffentlicher Orte, von denen noch keine Informationen vorliegen, von den Nutzern selbstständig in die Karte eingetragen werden.

 

Apps für Pflegebedürftige und Angehörige

demenz-pflege appDie Deutsche Krankenversicherung (DKV) stellt eine App zur Verfügung, worüber die Anwender Zugang auf das miCura Pflegeportal erhalten und sich so über pflegerische Fragen in Bezug auf ihre Angehörigen informieren können, wie zum Beispiel: Wann bekommt meine pflegebedürftige Mutter das nächste Mal Besuch vom Pflegedienst? Welche Medikamente erhält mein Vater und wie sind seine Vitalwerte? Welche Pflegeleistungen haben wir eigentlich gebucht? Die PflegedienstmitarbeiterInnen senden bei jedem Hausbesuch einige wichtige Informationen über den Versorgungsstatus an eine Datenbank, die dann von den Angehörigen oder auch den Pflegebedürftigen selbst mobil abgerufen werden können.

Die Münchner Versicherung entwickelte die App Pflege2Go, mit deren Hilfe der Pflegebedarf inklusive der individuellen Pflegelücke und -wahrscheinlichkeit berechnet werden sowie staatliche Förderung mit einem Klick hinzugewählt werden kann. Einen ähnlichen Service bietet auch die Nürnberger Versicherung mit ihrer PflegeInfo App, worüber man sich rund um das Thema Pflege informieren sowie Versorgungslücken darstellen und Angebote berechnen kann. Im Bereich Ratgeber erhält man Infos zur gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung sowie die aktuellen Pflegekosten im Heim oder ambulant zu Hause. Ziel bei den Versicherungs-Apps ist allerdings der Abschluss einer Pflegeversicherung.

Die Malteser gaben zusammen mit der Swedish Care International (SCI) die App Demenz heraus. Es ist die erste kostenlose deutschsprachige Anwendung zum Thema Demenz und hilft Angehörigen, Pflegenden und demenziell Erkrankten selbst, die Lebensqualität durch Informationen zu demenziellen Erkrankungen, Symptomen und Therapie zu erhöhen. Hier finden sich auch praktische Tipps zur Erleichterung des alltäglichen Lebens sowie ein E-Mail-Kontakt zu einem Netzwerk von Experten, worüber auch die Möglichkeit gegeben ist, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Bei der App Das passt! handelt es sich um ein Gedächtnisspiel, das speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und Menschen mit Verwirrtheitssymptomen abgestimmt wurde, um die Gedächtnisfähigkeit zu fördern.

 

Fazit

Die Möglichkeiten von Apps in der Pflege sind vielfältig und bieten eine Menge Vorteile. Sie vereinfachen verschiedenste Vorgänge und Abläufe, liefern schnell, präzise und mobil aktuelle Informationen und helfen damit die Qualität der Pflege aufrecht zu halten oder sogar zu verbessern und die Ressourcen der Pflegenden zu schonen. Dies kommt letztlich dem Wohl der Pflegebedürftigen zugute. Gerade pflegende Angehörige können Unterstützung bei Unsicherheiten im Umgang mit Pflegebedürftigen erhalten. Auch in der ambulanten psychiatrischen oder stationären Pflege können sich Einsatzmöglichkeiten für Apps ergeben. Der Pflegemarkt wird weiter ausgebaut. Apps in der Pflege sind zukunftsweisend.

 





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